Ich trau’ mich
ja gar
nicht zu fragen, aber…
… wie kocht man eigentlich
Nudeln ?
Bei Nudeln
unterscheidet man in erster Linie zwischen :
- frischen
Nudeln,
also
Nudeln,
welche
man
gerade
selbst hergestellt bzw. frisch gekauft
hat. Sie sind weich, müssen gekühlt gelagert werden und sind
nur begrenzt haltbar.
- getrockneten
Nudeln,
wie
man
sie
in
jedem
Supermarktregal findet. Die getrockneten
Nudeln sind hart und quasi unbegrenzt haltbar.
Bei den Frischnudeln folgt man einfach der Anleitung auf der Packung:
man gibt sie in Salzwasser, welches gerade mal zu kochen begonnen hat
und lässt sie in der Regel zwei Minuten in dem noch heißen
Wasser ziehen, ohne es wieder aufkochen zu lassen - die genaue Kochzeit
steht wie gesagt auf der Packung.
Meist nimmt man aber Trockennudeln, weil sie praktisch sind und man
immer einen Vorrat davon zuhause haben sollte:
Man rechnet bei den handelsüblichen Trockennudeln pro Person :
60 bis 80 Gramm, wenn es sich um eine Beilage zu
einem Fleisch- oder Fischgericht handelt
100 bis 120 Gramm, wenn es sich um ein reines
Nudelgericht, also beispielsweise Nudeln mit Tomatensauce, handelt.
Das Gewicht bezieht sich übrigens auf die ungekochte Nudel, also
so, wie sie aus der Schachtel kommt (gekocht wird das Ganze
natürlich fast dreimal so schwer, weil die Nudeln Wasser aufnehmen)
Man benötigt für jeweils 100 Gramm Trockennudeln (egal ob
Spaghetti, Macaroni, Penne, Fusili oder wie sie alle heißen) 1
Liter Wasser.
Kochen Sie beispielsweise Nudeln für 4 Personen um daraus z.B.
Spaghetti Carbonara zu machen, würden Sie:
4 x 120 Gramm Nudeln = 480 Gramm Nudeln (in dem Fall also vielleicht
also gleich ein gesamtes 500 Gramm-Päckchen) in rund 5 Litern
Wasser kochen.
Damit das Wasser schneller zum Kochen kommt, sollten Sie heißes
Wasser aus dem Wasserhahn nehmen, oder notfalls das Wasser eventuell
mit dem Teekocher vorheizen, allerdings fassen Teekocher meist nur
maximal 1,5 - 2 Liter Wasser.
Jetzt noch einen Deckel auf den Topf, denn Wasser ohne Deckel zum
Kochen zu bringen, kann je nach Herd, 2
bis
3
mal
so
lange dauern, wie
mit geschlossenem Topf !
Die Wassermenge ist aus zwei Gründen so gewählt : die Nudeln
müssen alle vollkommen im Wasser drin liegen. Ist im Topf viel
zuwenig Wasser, dann liegen vielleicht einige Nudeln während des
gesamten Kochvorgangs obenauf und somit außerhalb des Wassers.
Sie würden demzufolge nicht garen und das geht natürlich
nicht.
Selbst wenn alle Nudeln zu Beginn unter Wasser liegen, kann es bei
einer zu knapp bemessenen Wassermenge während des Kochens
passieren, dass durch das Verdampfen des Wassers und das Aufquellen der
Nudeln der Wasserstand zu tief ist und plötzlich einige Nudeln im
Freien liegen und dann natürlich nicht mehr weitergaren.
Der zweite und entscheidendere Grund ist aber, dass man die Nudeln ja
erst ins Wasser gibt, wenn dieses bereits kocht. Bei wenig Wasser
würden die relativ kalten Nudeln beim Hineinschütten das
Wasser soweit abkühlen, dass es sehr lange braucht, um wieder zu
kochen und das ist schlecht für die Nudel. Bei der ausreichenden
Menge an Wasser hat das Wasser genug ‚Hitzereserve’, damit es innerhalb
kürzester Zeit (meist weniger als eine Minute) wieder sprudelnd
kocht.

Also
genügend Wasser aufsetzen (der Topf sollte groß genug
sein, dass er zu Beginn maximal halbvoll oder zu zwei Drittel voll ist,
sonst läuft es nachher beim Nudeln hineinschütten und
Aufkochen über), dann pro Liter
etwa 15 Gramm Salz zugeben. Wenn
Sie probieren möchten : das Wasser sollte so stark gesalzen sein,
wie eine gut gewürzte Suppe.
Persönlich bevorzuge ich grobes Meersalz aus der Bretagne oder
jodiertes Meersalz und zwar ebenfalls in Form
grober Körner (so wie das Hagelsalz auf den
Brezen). Das hat keinen besonderen Grund, es ist nur leichter zu
portionieren als feines Salz, denn ich nehme immer pro Liter Wasser eine gestrichene
Schaufel
Salz . Aber das
kann jeder machen, wie er will und auch die Wahl des Salzes, Meersalz
oder Steinsalz, spielt keine allzu grosse Rolle; nehmen Sie aber auf
keinen Fall teures Salz, wie z.B. Fleur de Sel für das
Nudelwasser, das wäre wirklich Verschwendung.
Auf dem Foto sieht man einen 5-Liter-Topf, welcher drei Liter Wasser
enthält (also für 300 g Nudeln) und da hinein kommen jetzt
drei von diesen Salzschaufeln = 45 g Salz
Das von mir verwendete Meersalz aus der Bretagne enthält noch sehr viel
Feuchtigkeit, ist also deutlich schwerer als z.B. ein trockenes
Steinsalz. Die 15 Gramm sind also keine feststehende Grösse für alle
Salze, machen Sie also einmal den o.g. Geschmackstest und dann wissen
Sie, wieviel Gramm, bzw. Schaufeln Sie in Zukunft von ihrem bevorzugten
Salz pro Liter Wasser hineingeben müssen. (Bei einem anderen Meersalz
(Camargue) genügte beispielsweise 2/3 der o.g. Menge, um den gleichen
Salzgeschmack zu erzeugen. Probieren und immer wieder Probieren ist die wichtigste Sache beim Kochen !!!)
Das Salz im Nudelkochwasser ist extrem wichtig : kochen Sie Nudeln ohne
Salz, schmecken sie nach absolut gar nichts und selbst wenn Sie dann
eine leckere Sauce dran geben, schmeckt die plötzlich auch total
fad. Die Nudeln nach dem kochen noch zu salzen, weil man es vorher
vergessen hat, bringt übrigens ebenfalls nichts, denn das Salz
muss mit dem Kochwasser in die Nudel einziehen und mit
nachträglichem Salzen funktioniert das nicht. Sollten Sie wirklich
mal das Salz komplett vergessen, dann hilft nur wegwerfen und neue
Nudeln kochen. Das geht ja recht schnell, Nudeln kosten nicht viel und
wenigstens ruinieren Sie sich nicht die Sauce (sofern Sie die nicht
schon über die verkorksten Nudeln gegeben haben)
Erst wenn das Wasser sprudelnd kocht, geben Sie die Nudeln in den Topf.
Haben Sie – trotz aller unserer Hinweise - vergessen, das Salz ins
Wasser zu geben, können Sie es auch jetzt – zu Anfang der Kochzeit
- noch machen, denn die Nudeln nehmen das Salz erst auf, wenn sie
beginnen weich zu werden. Es hingegen erst in der letzten Minute vor
dem Abgießen hinzu zugeben, bringt allerdings so gut wie nichts
mehr, also am Besten gleich ganz zu Beginn salzen, noch bevor die
Nudeln ins Wasser kommen!
Bei langen Nudeln, wie z.B. Spaghetti kann es schon mal vorkommen, dass
der Topf nicht groß genug ist und die Nudeln ganz schief im Topf
liegen und ein Teil davon aus dem Wasser rausguckt. Das ist aber nicht
schlimm, wenn Sie, sobald die Nudeln anfangen weich zu werden (das
dauert vielleicht 30 – 40 Sekunden) ein bisschen umrühren. Die
weich werdenden Nudeln biegen sich nun und versinken
im Wasser, wie es sein soll.
Die auf der Packung angegebene Kochzeit (siehe nächster Absatz)
zählt übrigens erst ab dem Zeitpunkt, zu dem das Wasser
wieder zu sprudeln anfängt.
Jetzt können Sie die Temperatur etwas runterdrehen, es soll
einfach leicht sprudelnd weiterkochen. Zwischen leicht sprudelnd und
wild sprudelndem Kochwasser gibt es nämlich keinen messbaren
Temperaturunterschied, die Nudeln werden also in wild sprudelndem
Wasser weder besser noch schneller fertig
Jetzt sollten Sie auch den Deckel nicht mehr drauflegen, weil es sonst
garantiert überkocht und das ist hinterher eine Riesensauerei zum
Saubermachen.
Die erforderliche Kochzeit steht jeweils auf der Packung und ist auch
meist ein guter Anhaltspunkt; MEISTENS, denn es gibt auch Hersteller,
bei denen man die Nudeln teilweise bis zu 50% länger kochen muss,
als er angibt. Vermutlich handelt es dabei um Kleinhersteller, welche
irgendwann mal die Zusammensetzung der Nudel oder den Mehllieferanten
gewechselt haben, ohne die neue Kochzeit zu überprüfen. Bei
großen Herstellern funktionieren die Angaben in der Regel wie
gesagt ganz gut, aber man sollte immer testen :
Am besten den Minutenwecker auf eine Minute unter der angegebenen
Kochzeit stellen und wenn er dann klingelt, probieren. ‚Al dente’, also
bissfest sind die Nudeln dann, wenn sie in der Mitte noch etwas Biss
haben. Optisch erkennt man das sehr gut, wenn man eine Nudel
durchbeißt und an der Schnittstelle in der Mitte noch ein kleiner
weißer Kern vorhanden ist. Dann sind sie genau richtig.
Viel Köche geben gerne einen Schuss Öl ins Kochwasser, damit
die Nudeln nicht zusammenkleben : Denken wir doch mal ganz kurz an
unseren Physikunterricht in der Schule zurück. Da hieß es,
dass Öl
leichter ist als Wasser, immer oben schwimmt und sich nicht so ohne
Weiteres mit dem Wasser vermischt.
Geben Sie also Öl ins Kochwasser, schwimmt das Öl friedlich
an der Oberfläche, der bereits untergetauchten Nudel hilft es aber
herzlich wenig.
Es stimmt zwar, dass die Nudeln gerne am Topfboden festkleben, aber es
genügt vollkommen, einmal gut umzurühren und alle
festgeklebten Nudeln vom Topfboden zu lösen, sobald das Wasser
nach dem Einschütten der Nudeln wieder zu sprudeln begonnen hat.
Danach hat man für den Rest der Kochzeit Ruhe. Ganz
ängstliche Gemüter rühren noch ein oder zweimal
während des Kochens um, aber wirklich nötig ist es in den
seltensten Fällen (außer vielleicht, Sie haben viel zu wenig
Wasser im Topf – siehe oben – denn dann haben die Nudeln keinen Platz
zum Schwimmen und liegen zwangsläufig am Boden an, wo sie dann mit
der Zeit festkleben, aber Sie wissen ja jetzt : 1 Liter pro 100 Gramm
Nudeln und Sie sind auf der sicheren Seite)
Aus den Nudeln tritt während des Kochens Stärke aus.
Stärke verleiht Flüssigkeiten, wie beispielsweise einer Sauce
etwas Bindung, das heißt, die Sauce wird etwas dickflüssiger
und kann somit später besser an Ihren Nudeln haften. Aus diesem
Grund entnimmt man oft unmittelbar
vor Ende der Nudelkochzeit etwas
Nudelwasser (3 - 4 Esslöffel, nicht mehr, denn das Nudelwasser ist
ja relativ stark gesalzen !) und stellt es beiseite.
Dann, wenn die Nudeln ‚al dente’ gegart sind, gießt man die
Nudeln in ein Sieb.
Da wir dem Wasser kein Öl beigegeben haben, brauchen Sie das Sieb
hinterher auch nicht abspülen (höchstens vielleicht kurz
unter fließendem Wasser abbrausen, um die Salzreste des
Kochwassers zu entfernen). Hätten wir Öl im Kochwasser,
müssten wir jetzt das Sieb mit warmen Wasser und Spülmittel
gründlich abwaschen, um den Ölfilm abzubekommen – dies nur
als kleiner nützlicher Nebeneffekt von Nudelkochen ohne Öl.
Es gibt beim Nudelkochen eine Regel :
Gäste können warten, Nudeln
niemals
Das soll heißen : kochen Sie die Nudeln nach Möglichkeit so,
dass Sie mit dem Essen beginnen, sobald die Nudeln fertig sind. Lassen
Sie sie nicht noch Minutenlang im Sieb liegen, denn zum Einen garen Sie
noch etwas weiter und werden dann vielleicht ein weicher Brei und
außerdem kleben Sie zu einem großen, dicken Klumpen
zusammen.
Ich persönlich entnehme gerne direkt vor Ende der Garzeit 4 - 5 Esslöffel Nudelwasser, gebe dies nach dem Abgießen der Nudeln wieder in den noch
heißen Topf, lasse einen guten Esslöffel Butter in diesem
Wasserrest kurz zergehen (oder ich gebe - je nach Geschmack und
Vorliebe – einen Esslöffel Olivenöl in dieses Wasser) und
anschließend gebe ich die nur ganz kurz abgetropften Nudeln
wieder in den Topf und rühre um oder schwenke sie durch, damit alle Nudeln mit dem Butter-Wassergemisch umhüllt werden. Das verhindert, dass die Nudeln
zusammenkleben, gibt Geschmack und entgegen der landläufigen
Meinung, hindert es die Sauce trotzdem nicht daran, sich mit den Nudeln
zu vermischen.
Sofort zu essen ist also der Idealfall. Geht das aus welchen
Gründen auch immer, einmal nicht, so gibt es folgende
Behelfsmöglichkeit:
Machen Sie es wie in der professionellen Gastronomie. Dort werden die
Nudeln vorgekocht und ungefähr eine Minute bevor sie ‚al dente’
sind, abgegossen und unter kaltem Wasser abgebraust, bis sie kalt sind.
Das stoppt den Garprozess. Wenn die Nudeln dann gebraucht werden, gibt
man sie entweder noch mal kurz in kochendes Salzwasser, um sie fertig
zu garen und heiß zu machen, oder - und das ist der
häufigere Fall - man gibt sie zusammen mit ihrer heißen
Sauce und eventuell zusätzlich etwas Olivenöl bzw. Butter in
eine Pfanne oder einen Topf und erhitzt das Ganze unter vorsichtigem
Rühren. Die Nudeln werden auf diese Weise sehr schön von der
Sauce umhüllt und nehmen die Aromen der Sauce auf.
Möchten Sie Nudeln und Sauce lieber getrennt auf den Tisch
bringen, geben Sie einen Esslöffel Olivenöl oder Butter
über die Nudeln und rühren Sie vorsichtig um, damit die
Nudeln von diesem Fettfilm umhüllt werden, ansonsten haben Sie am
Tisch ein dicken, fetten Batzen zusammengeklebter Nudeln in der
Schüssel.
Apropos Schüssel: die Schüsseln sollten grundsätzlich
vorgewärmt sein, sonst sind ihre Nudeln schneller kalt, als Sie
‚Guten Appetit’ sagen können.
Zum Anwärmen der Schüssel brauchen Sie aber nicht extra das
Backrohr anheizen : stellen Sie die Schüssel in die Spüle,
geben Sie das Nudelsieb in diese Schüssel und wenn Sie dann die
Nudeln am Ende der Kochzeit darin abgießen, heizt das Kochwasser
ihre Schüssel kostenlos und in Sekundenschnelle. Nehmen Sie jetzt
aber das Nudelsieb mit den Nudeln gleich wieder aus der Schüssel
raus, denn sonst garen ja die Nudeln in dem heißen Wasser noch
nach.
Das heiße Kochwasser lassen Sie jetzt einfach in der
Schüssel, bis zu dem Moment, zu dem Sie dann servieren
möchten. Leeren Sie Schüssel nun aus, kurz abtrocknen und ab
geht’s. Aber Achtung: die Schüssel ist vermutlich sehr
heiß. Fassen Sie sie also lieber mit einem Geschirrtuch an.
Brauchen Sie mehrere Schüsseln, stellen Sie sie einfach ineinander
und dann das Nudelsieb obendrauf. Das heiße Wasser heizt auch
mühelos mehrere Schüsseln auf. Mit dieser Methode können
Sie natürlich auch ihre Teller anwärmen : Alle
benötigten Teller in der Spüle aufeinanderstapeln, die
Servier-Schüssel drauf, Sieb in die Schüssel und dann die
Nudeln ins Sieb abgiessen - und alles ist schön heiss!
Alternativ-Methode: Kurz vor Schluss die Schüssel statt dem Topfdeckel auf den Kochtopf mit den noch kochenden Nudeln stellen: der Dampf heizt die Schüssel in 08,Nix auf
Haben Sie vergessen, die Schüsseln auf diese Weise vorzuheizen und
die Nudeln schon abgegossen, dann lassen Sie einfach heißes
Wasser aus dem Wasserhahn in die Schüsseln ein und sie sind nach
kürzester Zeit vorgewärmt. Hauptsache, Sie servieren keine
Nudeln in kalten Schüsseln!
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