Rezept genau befolgt – Essen trotzdem vermurxt?
Das kommt leider
nur allzu häufig vor und man muss zwischen zwei Bereichen
unterscheiden:
- Internetrezepte
auf
Kochportalen
Die sind von
Laien verfasst, wogegen zunächst einmal nichts einzuwenden
wäre, denn viele gute
Profiköche sind Autodidakten, die niemals eine klassische
Ausbildung
durchlaufen haben, sondern ihr Talent durch viel Arbeit auf
professionelles
Niveau gebracht haben. Aber über die typischen Rezeptautoren auf
diesen
Internetportalen und deren technischen Fähigkeiten weiß man rein gar nichts. Die meisten halten sich
für
gute Köche und ihre Rezepte für mitteilenswert – aber das ist
halt ihre eigene
Meinung.
Aber mal ganz
abgesehen von der Kompetenz, die kann ja wie gesagt durchaus vorhanden
sein: mag diese Person salzarmes Essen, scharf gewürzt
oder eher mädchenhaft, so werden dann nämlich auch deren
Rezepte ausfallen –
das wissen Sie aber vorher nicht, weil Sie über diese Person
nichts wissen und
noch ein nie anderes Rezept von dieser Person selbst nachgekocht haben
Kauft diese
Person seit jeher Billigfleisch im Supermarkt, welches ohnehin meist
ein eher mittelprächtiges Ergebnis liefert? In dem Fall findet sie
wahrscheinlich an
trockenem und/oder hartem Fleisch nichts auszusetzen, weil diese Person
es
nicht besser weiß und es schließlich schon immer so war.
Sie kochen dann aber
vielleicht ein gutes Qualitätsfleisch nach deren Rezept und
ruinieren sich
damit selbiges – weil weder die Kochtechnik noch die angewandte
Zubereitung
stimmen
Eine Kontrolle
dieser Rezepte findet in der Regel nicht statt, denn die
Portalbetreiber interessiert das Niveau eigentlich nur peripher.
Alles was zählt,
sind die Klicks, um das eigentliche Geschäft, nämlich die
Werbeeinnahmen
zu steigern : auf einem solcher oft empfohlenen Portale gibt es beispielsweise allein in der Rubrik "kalorienarme Rezepte" sage und schreibe 6325 Rezeptangebote. Da werden z.B. Rosmarinkartoffeln mit 50ml Öl = 450 kcal
zubereitet, im nächsten Rezept 'Putenrouladen mit Spargel'
(Putenfleisch und Spargel sind ja Jedermann als kalorienarm bekannt) zu
deren Zubereitung dann neben einem Glas Weisswein auch 100 g Butter
verwendet werden. Allein die Butter enthält schon 83 g Fett oder 750 kcal.
Entschuldigung Chef, aber kalorienarme Kost sieht anders aus. Verstehen
tut man es erst, wenn man mal die mit diesen Rezepten gekoppelten
Werbeanzeigen näher betrachtet: da wird alles rund ums Abnehmen
beworben und da das heutzutage sehr gefragt ist, will der
Portalbetreiber natürlich soviel Rezepte wie möglich in dieser
Kategorie haben, denn wer sich für kalorienarmes Essen interessiert,
klickt aller Wahrscheinlichkeit nach auch auf solche Werbeanzeigen -
selbst wenn es nur aus Neugierde ist - und "klingeling", schon rappelts
in der Kasse. Die Rezepte sind also eigentlich nur das Zugpferd, das die Kunden bringt. Es
könnte genauso gut
ein Portal für Katzenliebhaber, Oldtimer-Fans oder was auch immer
sein, wenn es
dafür genug Interessenten gibt
Küchengeräte wie
z.B. Backöfen sind in professioneller Ausführung relativ
zuverlässig,
Consumergeräte in privaten Haushalten weichen allerdings stark
voneinander ab.
Differenzen von 10% zwischen der tatsächlichen und der angezeigten
Temperatur - sowohl nach oben, als auch
nach unten - sind
keine Seltenheit: zeigt der Ofen 200° an und schreibt das diese
Person auch so
in das Rezept, heizt deren Ofen aber vielleicht in Wirklichkeit bis zu
220° C
hoch, oder er ist ein bisschen schwach auf der Brust und kommt mit Ach
und
Krach auf nur 180° C – wie sollen Sie das vorher wissen, Sie kennen
ja den Ofen
dieser Person nicht. Das Essen wird also im Extremfall schon
strohtrocken und
eventuell verbrannt sein, wenn Sie die Angaben detailgetreu befolgen,
während im
anderen Fall aufgrund einer zu geringen Hitze schon der ganze Saft
rausgelaufen
ist.
Der anhaltende
Erfolg von Fastfoodketten oder die Tatsache, dass grottenschlechte
Restaurants
trotzdem genug Kunden finden um damit jahrelang
zu
überleben
beweist,
dass
es
eben viele Leute gibt, deren
kulinarische
Befriedigungsschwelle eher niedrig angesiedelt ist und das Schlimmste
ist, dass
sie sich darüber gar nicht im Klaren sind – sie haben aller
Wahrscheinlichkeit
nach einfach nie richtig gut gegessen und können es deshalb
logischerweise auch
nicht beurteilen. Wer mit Tiefkühlfritten und Dosenfutter
aufwächst, findet das
völlig normal und setzt daran seine Maßstäbe. Wenn nun
ein solcher kulinarischer
Tiefflieger stolz sein Lieblingsrezept veröffentlicht, das er
vielleicht selbst
schon 20 Mal gekocht hat und immer wieder gleich“ gut“ gelingt, wird
dies mit
Sicherheit kein raffiniertes Highlight der Kochkunst werden.
Übrigens: wenn ich „gut essen“ sage, dann meine ich nicht "teuer",
sondern eben einfach
nur "gut" : man kann auch sehr gute Burger machen mit wirklich leckeren
Pommes,
wenn man weiß wie es geht. Man kann auch mit einem Wareneinsatz
von nur 1€ -
1€50 eine Tomatensauce kochen, die jeden Italiener glücklich macht
…
- Kochbücher
von
Profiköchen
Auch die sind
leider keine Garantie für fehlerfreie Rezepte:
Selbst bei
vernünftigen Verlagen habe ich schon des Öfteren gesehen,
dass Zutaten
verwendet werden, die in der Zutatenliste gar nicht erwähnt
werden, sondern nur
irgendwo im Rezept selbst – und damit meine ich nicht Zutaten, von
denen der
Autor ausgeht, Sie hätten Sie ohnehin immer im Haus, wie z.B. Salz
&
Pfeffer: ich kann mich an ein Rezept erinnern, bei dem im letzten
Absatz stand „nun
den in dünne Scheiben geschnittenen Mozzarella darauf
verteilen
und
noch
5
Minuten
gratinieren“ – Der Mozzarella wurde nur leider mit keinem Wort in der
Einkaufsliste erwähnt. Pech für Sie, wenn Sie das Rezept erst
lesen, wenn Sie
vom Einkaufen schon wieder zurück sind, dann können Sie
nämlich noch mal los,
um die fehlenden Bestandteile zu kaufen. Sehr ärgerlich so was.
Das ist
natürlich in erster Linie ein Fehler des Redakteurs.
Der Beruf des
Kochs ist eigentlich purer Wahnsinn und/oder Masochismus :
Arbeitszeiten an der Grenze zur
Selbstzerstörung, 110% Stress und das oft über Stunden
hinweg, das Ganze
natürlich vor einem glühend heissen Monsterofen in einem
Temperaturbereich jenseits von Gut und
Böse.
Kochbücher schreiben ist für
viele Köche
lediglich ein Nebenverdienst oder aber eine PR-Aktion um seinen Namen
im Olymp
der Küchengötter zu halten – und somit seinem eigenen Restaurant den
Nimbus des
heiligen Fresstempels zu verleihen - und wird demzufolge meist
zwischendrin
oder oft nachts nach der aufreibenden Küchenarbeit erledigt
(tagsüber
müssen schließlich auch noch
TV-Auftritte abgespult werden, Merchandising-Aktionen wollen geplant
werden, etc)
Kein Wunder, dass da die Konzentration manchmal ein bisschen zu kurz
kommt.
Die Rezepte
werden aus dem Gedächtnis geschrieben - ohnehin schon eine
Fehlerquelle - müssen
aber gleichzeitig auf die in Kochbüchern üblichen „Rezept
für 4 Personen“-Mengen
umgemünzt werden.
Die Chefköchin einer Grossküche hat mir mal erzählt,
dass sie absolut unfähig
sei, zuhause zu kochen, da Geschmack und Gefühl auf die
Riesenmengen in der
Grossküche eingestellt sind: „gib noch eine Handvoll Salz in die
Suppe, für die
Salatsauce lieber noch einen Kanister Essig zusätzlich … etc“ Sie war unfähig, dies in
haushaltsübliche
Mengen umzusetzen: wenn noch Salz in der Suppe fehlte, wusste sie
schlicht und
ergreifend nicht, ob sie nun eine Prise oder gar einen ganzen
Teelöffel Salz
nachwürzen musste. Unter diesen Voraussetzungen dann aus dem
Gedächtnis zu
schreiben, wird mit Sicherheit kein 100% -ig funktionierendes Rezept
liefern, welches
man wortgetreu nachkochen kann.
Man kann mit einem
traditionellen Rezept sehr glücklich sein und das Essen in vollen
Zügen genießen.
Ich folge keiner Tradition, nur weil es eine Tradition ist, ich picke
mir vielmehr
überall das für mich Beste raus, aber wenn mir zufällig
gerade eine Tradition 100%
zusagt, dann habe ich auch kein Problem damit, sie so zu übernehmen wie
sie ist.
So manch anderer hat damit aber offensichtlich schon ein Problem, nämlich ein
Ego-Problem: diese Leute meinen, dem Rezept auf Teufel komm raus ihre
persönliche Note
aufdrücken, es modernisieren zu
müssen und das ist dann
leider oft eine Verschlimmbesserung. Egal, Hauptsache sie haben es
abgeändert! Ich finde: Besser
gut geklaut, als schlecht kreiert !
Manche Angaben in
Kochbüchern professioneller Köche sind schlichtweg falsch und
müssen
zwangsläufig in einem vermurxten Gericht enden. Das
geschieht
vor
allem
meist
bei den einfachsten
Handgriffen und Techniken. Vielleicht mag es sogar Köche geben,
die so was extra
machen, damit hinterher die Leute sagen: „in
seinem Restaurant schmeckt das gleiche Gericht aber viel besser. Naja,
er ist
halt doch ein Superkoch und ich nur der kleine, dumme Anfänger“
Aber
meist
wird
es
wohl
eher daran liegen, dass der bücherschreibende
Starkoch solche niederen
Standardarbeiten schon seit langem nicht mehr selber verrichtet,
dafür hat man schließlich
seine Jungköche und das ist im Prinzip auch ganz ok so. Wenn dann
aber das
Rezept spätnachts und am grünen Tisch verfasst wird, muss die Erinnerung
herhalten, nur diese Erfahrungen/Erinnerungen liegen in solchen Fällen schon einige Jahre
zurück und Fehler
sind da zwangsläufig vorprogrammiert – leider mit fatalen Folgen
für den
Hobbykoch, welcher im Glauben, dass der Meister schon wisse, was er
schreibt,
das Rezept buchstabengetreu reproduziert.
Oft geben Profiköche ihre Rezepte bzw. die so genannten 'fiche
technique' also die genaue Auflistung der Zutaten und der Ablauf der
Zubereitung an den zuständigen Redakteur eines Verlages und der bringt
es dann in Form, so dass es auch von einem Amateur verstanden wird. Die
Umwandlung beschränkt sich aber leider nicht nur auf das Redaktionelle,
sondern oftmals werden die Rezepte stark vereinfacht und
haben hinterher nicht mehr viel mit dem Rezept des Starkochs zu tun.
Der Leser hat aber das Buch vielleicht gerade deswegen gekauft - weil
er das Rezept so kochen möchte, wie es sein Starkoch kocht.
Bei Fernsehsendungen weichen
Zubereitung und Mengen in der Sendung oft ganz erheblich von dem
später im Internet veröffentlichten Rezept ab:
- entweder hat
der TV-Koch während der Aufzeichnung eine entscheidende Zutat vor
lauter Quasseln schlichtweg vergessen : TV-Köche sind ja in der Regel Männer und wir wissen alle, dass wir Männer 'zwei Dinge gleichzeitig machen' nicht wirklich beherrschen
- oder das vorher nicht getestete
Rezept - und das kommt öfter vor, als man denkt - funktioniert in
Wirklichkeit nicht so, wie in der Sendung gezeigt und es wird
nachträglich zurecht gebogen. Eine Garantie für ein
gelungenes Rezept ist dies aber noch lange nicht, es bleibt meist ein
Kompromiss
- Im schlimmsten Fall hat irgendein Redakteur das Rezept so
niedergeschrieben, wie er es in der Aufzeichnung zu erkennen glaubte.
Manche Kochbücher
bedienen bei den Fotos eher künstlerische Ansprüche als einen
erklärenden
Charakter zu verfolgen. Die optische Realität bei Ihnen zu
Hause, abends nach
einem langen Tag im Büro und Stau auf dem Heimweg sieht mit
Sicherheit anders
aus.
Ganz zu schweigen von den Trickkisten mancher Fotografen: etwas
Haarspray lässt
das Gericht appetitlich glänzen, ein Tropfen Motoröl besticht
auf dem Foto mit
den hübschen bernsteinfarbenen Lichtreflexen, die das blasse
Rapsöl halt einfach
nicht bringt. Zum
guten Gelingen eines Rezepts trägt das allerdings herzlich wenig
bei.
Epilog
Bei
uns ist jedes Rezept mit haushaltsüblichen ‚Consumer‘-Geräten
realisiert worden, in der Regel mehrmals.
Das Backrohr, ein DeDietrich
DOP790X, erreicht recht schnell die Solltemperatur und die angezeigte
Temperatur entspricht auch der tatsächlichen Temperatur. Die
Herdplatten sind ein Induktionsfeld der gleichen Marke. In der
Aussenküche verwenden wir aus technischen Gründen ein zweiflammiges
Gasfeld (siehe Artikel "Gas oder Induktion") sowie gelegentlich ein kleines, transportables Induktionsfeld.
Die
Mikrowelle, die aber eigentlich ein kleiner Kombiofen bestehend aus
Mikrowelle, Umluftofen und Grillschlange ist, stammt ebenfalls vom Hersteller DeDietrich, mit dem wir aber keinerlei Vertrag oder irgendwie anders geartete Verbindung
haben: die Marke wurde von uns aufgrund ihres
Preis-/Leistungsverhältnissses ausgewählt und die Geräte alle zum
regulären Endverbraucherpreis in einem normalen Geschäft erworben
Verwendet werden Waren, welche Sie bei Ihrem eigenen Metzger, Fisch- oder
Gemüsehändler etc genauso einkaufen können
Bei unseren Dreharbeiten werden die Gerichte
anschließend auch
gegessen, d.h. es ist nichts
geschummelt (ich mag den Nachgeschmack von Haarspray nämlich
irgendwie nicht), einen Food-Designer gibt es bei uns nicht und
beim Fotografieren soll es auch noch schnell gehen, damit das Essen nicht kalt wird:
Schon klar, dass unsere Fotos deshalb aller
Wahrscheinlichkeit nach
nicht in einem Jahrhundert-Fotoband
enden werden, aber das ist auch nicht die Absicht. Das Foto des
fertigen Gerichts
soll eine Idee geben, einen ersten
Eindruck. Wie Sie es dann schlussendlich selbst präsentieren,
unterliegt Ihrem
Talent. Wenn Sie nicht ein hoffnungsloser Grobmotoriker sind, werden
Sie, wenn Sie wollen, das gleiche Ergebnis erzielen können, sowohl
in Geschmack als auch in der Präsentation, wenn nicht sogar besser: und genau das ist unser Ziel! Wie wollen hier keine Selbstzelebrierung oder "fishing for compliments" betreiben, Sie sollen in ihrer eigenen Küche anhand unsere Rezepte ein wirkliches gutes Essen auf den Teller bringen.
Ausschlaggebend ist natürlich auch die Situation: handelt es sich um ein
Candlelight Dinner mit der Person ihres Herzens, dann muss es
natürlich das volle Programm sein. Will man aber nach einem langen
Tag einfach nur etwas gutes essen, dann wäre es vielleicht etwas
übertrieben, wenn ein
Single in der Küche den Klecks Kartoffelbrei mit einem Zweig
Rosmarin krönt, 3
Meter weiter nach nebenan zu seinem Wohnzimmertisch vor den Fernseher
geht und dort den
Zweig wieder rauszieht, um seinen Kartoffelbrei zu essen (der Rosmarinzweig landet
anschließend im
Mülleimer). Aber wenn es gefällt, naja, dann ist es auch ok :
heben Sie in dem
Fall aber wenigstens den Zweig für andere Einsätze auf, z.B.
am
nächsten Tag beim Anbraten
eines
Steaks den Zweig ins
Bratöl geben um die Aromen somit auf das Fleisch zu
übertragen o.ä. - dann ist der Zweig wenigstens nicht
umsonst "gestorben"
Unsere Homepage bietet derzeit über 150 Rezepte und jede Woche kommen 1 oder 2 neue dazu.
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