Unternehmensgründung in Monaco

 

                                                                                                            Mythen und behördliche Realität        

 

am Beispiel der MEDITERRATRADE S.A.R.L.

 

Das frankophone Anhängsel am Firmennamen „ Societe A Responsabilite Limitee“ ist die wörtliche Übersetzung des deutschen Pendants, die GmbH

 

Allerdings sind in Monaco die Auflagen und das Prüfungsprozedere um einiges umfangreicher und komplizierter. Während eine deutsche GmbH mit einem Notartermin und einigen Formularen innerhalb weniger Tage auf die Beine gestellt werden kann, wird in Monaco jede Gründung einzeln begutachtet und muss vom Fürstenhaus genehmigt werden:

 

Zuerst erstellt man ein Dossier mit:



Ist dieses Dossier endlich zusammengestellt, reicht man das Ganze bei der zuständigen Behörde, der ‚Verwaltungsstelle für wirtschaftliche Entwicklung’, einer Unterabteilung des monegassischen Finanzministeriums ein.

 

Jetzt hat die Behörde drei Monate Zeit, das Vorhaben zu prüfen. Theoretische drei Monate ! Denn jedes Mal, wenn die Behörde eine Frage hat, werden die drei Monate Bearbeitungszeit solange unterbrochen, bis eine zufrieden stellende Antwort bei Ihnen eingeht.

 

In der Zwischenzeit begibt man sich auf Herbergssuche: ein Büro muss her !

 

Betreibt man ein Ladenlokal, prüft die ‚Verwaltungsstelle für wirtschaftliche Entwicklung’ ob in diesem Viertel nicht bereits ein ausreichendes Angebot besteht : wenn also in der gleichen Strasse bereits mehrere Ladengeschäfte der gleichen Branche bestehen, wird wohl ein Weiteres kaum mehr zugelassen werden

 

Betreibt man einen Bürobetrieb, wie im Falle unserer Mediterratrade S.A.R.L,  werden Örtlichkeiten und Mietvertrag begutachtet, denn so genannte Briefkastenfirmen sind in Monaco nicht zulässig. Es muss pro Firma ein eigenes Büro existieren – einzig mögliche Ausnahme sind Gemeinschaftsbüros bei Büroserviceunternehmen (und die sind ziemlich teuer), aber dies auch nur für die ersten sechs Monate nach dem Gewerbestart, danach muss ein eigenes Büro vorhanden sein. (Selbst das Anmieten beispielsweise eines Dreizimmerbüros und dies dann mit ein oder zwei anderen Firmen zwecks Kostenersparnis zu teilen, ist nicht zulässig.)

 

Wenn dann allerdings, wie in unserem Fall, Ende Juli eine zusätzliche Genehmigung seitens der ‚Aufsichtsbehörde für Hygieneüberwachung’ angefordert wird, verliert man da gleich mal 4 – 6 Wochen Bearbeitungszeit, da in Monaco – genauso wie in Frankreich – im Monat August wegen der Ferienzeit überall aber auch gar nichts voran geht. Hat man schon ein Büro gefunden, läuft natürlich auch schon jeden Monat die Miete.

 

Sind dann irgendwann endlich alle Hürden genommen und der fürstliche bzw. ministerielle Segen erteilt – im Fall der Mediterratrade also nach etwa 6 ½ Monaten (statt der theoretischen 3 Monate), kann man endlich daran gehen, die letzten formalen Auflagen abzuarbeiten: Anzeige der Firmengründung im monegassischen Gewerbejournal, Eintrag im Handelsregister, Erklärung der Gewerbebeginns beim Finanzamt, Beantragung einer Umsatzsteueridentifizierungsnummer, Beitritt zur staatlichen Sozialpflichtversicherung und ähnlich spannende Freizeitgestaltung : das Wort Freizeitgestaltung wurde hier bewusst gewählt, denn bis zu diesem Zeitpunkt hat man noch immer nicht die Möglichkeit, gewerblich tätig zu werden.

 

Alles in allem, hat die Gründung der Mediterratrade S.A.R.L. geschlagene 9 (in Worten : neun) Monate gedauert und das, obwohl dies mit tatkräftiger und kompetenter Unterstützung einer der größten monegassischen Steuerkanzleien abgewickelt wurde, deren juristische Abteilung die entsprechenden Ansprechpartner in den Behörden überwiegend persönlich kennt und viele Stolpersteine mit einem Telefonanruf aus dem Weg räumen konnte.

 

Der Staat Monaco legt viel Wert darauf, sein Image als seriöser Partner im heutigen Europa zu erhalten und auszubauen und es ist mit Sicherheit kein Unterschlupf für unseriöse Geschäftemacher, welche den Schutz einer Anonymität und eines wasserdichten und unknackbaren Bankgeheimnis suchen, denn das gibt es hier nicht: Bankgeheimnis ja – aber bei kriminellen Aktivitäten kooperieren die Banken mit den Behörden und mit dieser Politik fährt man mittel- und langfristig ohnehin besser, denn es schafft Vertrauen (oder würden Sie lieber bei einer dubiosen Briefkastenfirma auf irgendeiner Insel auf der anderen Seite des Globus bestellen und Ihre Kreditkartendaten der „Happy Caribbean Hurricane Bank“ anvertrauen ?)

 

Monaco – da gibt es keine Steuern

 

Falsch ! Unternehmen zahlen Steuern, aber halt in vernünftigen Grenzen. Monacos Steuersituation ist ein Wettbewerbsvorteil, der im Endeffekt auch dem Kunden zugute kommt. Bei einem Firmensitz im benachbarten Frankreich müssten die Preise unserer Onlineboutique um zirka 30% höher kalkuliert werden, um ein ähnliches Betriebsergebnis zu erzielen:

Ø  hohe Steuerlast

Ø  60% Lohnnebenkosten

Ø  eine kontraproduktive Unternehmenssteuer: umso mehr Lohn-/ bzw. Gehaltsvolumen eine Firma hat, umso höher fällt diese Steuer aus; oder: umso mehr eine Firma investiert (z.B. für umweltverträgliche Produktion oder modernste Technik), umso höher fällt diese Steuer aus. Diese Steuer wurde zwar gerade von Präsident Sarkozy abgeschafft, aber die Sozialisten setzen mit Sicherheit alles daran, sie wieder in Kraft zu setzen. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis dieses Damoklesschwert wieder schwebt.

Da bei diesen Preisen bereits einige Kunden abspringen würden, müssten die Preise aber nicht nur um 30, sondern noch mal zusätzlich um weitere 20% angehoben werden, um den Kundenverlust zu kompensieren.

 

Eine Firma erst ein Mal in Frankreich (oder Deutschland oder wo auch immer) aufzubauen und dann im Erfolgsfall nach Monaco zu verlegen gibt nicht nur Ärger mit dem bisherigen Finanzamt (Umzug in ein Niedrigsteuerland!) sondern führt auch zum möglichen Verlust interessanter Steuervorteile in Monaco.

 

Übrigens: die Mehrwertsteuer, welche Sie als Kunde bei Ihrer Warenbestellung mitbezahlen, kommt in der Regel nur zu Beginn dem monegassischen Staat zugute. Über kurz oder lang wird sie an Ihr Heimatland abgeführt und das ist irgendwo auch gerecht.